Von euphorischer Melancholie Belén Haefely

Von euphorischer Melancholie

Blog von Belén HaefelyWohnt in Rothrist (Schweiz)myZitate-Profil: SerenaRSS-Feed abonnieren

Die Gedanken sind "frei"

Die Gedanken sind frei. Einer der grössten Trugschlüsse unserer Zeit. Obwohl manche Menschen sicherlich Zuflucht in ihrer Gedankenwelt finden, es gibt einige, die nicht bloss eine symbiotische, harmonische Beziehung mit ihr führen. Ja… Denn so gut positives Denken helfen kann, so sehr kann pessimistisches einem die eben entfernten Steine wieder in dreifacher Grösse in den Weg legen. Alles zu hinterfragen, hinter jedem Baum die Wurzeln, die Blätter, die Zweige, die Rinde und den Stamm zu sehen, dass ist sowohl Segen als auch Fluch. Einerseits macht es die ganze Welt farbiger, andererseits jedoch bezahlt man die Farben mit Entspannung, mit Zuversicht und mit der Gabe, einfach zu sein.
Für diese Menschen sind die Gedanken alles andere als frei. Sie bauen sich Glastüren, Gitter, Wände. Sie richten sich tote Winkel innerhalb ihrer Gedanken, ihrer Erinnerung ein, um eine Ausrede zu haben, nicht daran zu denken. Obwohl sie es doch wieder tun werden. Und danach von sich selbst enttäuscht sind. Sie denken, sich vor dem harten Aufprall der unverhofften Realität schützen zu können, wenn sie jedes Szenario im Bereich des Möglichen durchgespielt haben, wobei die negativen meist viel realistischer und näher zu sein beginnen.

Sie werden niemals wirklich voll und ganz zufrieden sein mit dem was sie haben, mit dem was sie sind; zumindest nicht ohne viel Zeit, Geduld und Übung. Denn wenn sie sich einmal wirklich glücklich fühlen, beginnen sie zu fragen, warum. Sie beginnen zu fragen, wie viele Menschen dieses Gefühl wohl spüren, wie wahrscheinlich es ist, so glücklich zu sein. Sie suchen so lange nach einem Problem, dass ihre Hochmut einschränkt, bis sie sich sicher sein können, dass sie nach reichlicher Überlegung und Hinterfragung, glücklich sind. Und das auch nur in ständiger Erwartung eines Tiefschlags, der das „ich hab’s mir ja gesagt“-Gefühl mit sich bringt, dass sie so gut kennen. Und obwohl sie wissen, wie sehr sie sich damit selbst im Weg stehen; diese Weise zu denken hat sie bereits durch so viele Krisen begleitet, dass sie sich irgendwann geglaubt haben, dass so zu sein einen vorbereitet.

Sie arbeiten die ganze Zeit, mit allem dass sie sehen, fühlen oder wissen. Sie finden Dringlichkeit in Fragen über Zustände, Worte und Vergangenheiten, die anderen Menschen noch nicht einmal im Traum gestreift hätten. Zeit spielt keine Rolle. Egal wie weit etwas zurück oder in der Zukunft liegt, in ihrem Kopf liegt die Frage jetzt, und brennt solange auf dieser Menschen Alltag, bis sie eine Möglichkeit finden, sie befriedigend zu beantworten. Um danach zu beginnen, die nächste Frage zu suchen. Sie sind wie Kinder (bevor sie von dem erwachsenen, gesunden Virus der Ernsthaftigkeit und Vernunft infiziert werden), wenn sie fragen, wieso der Gärtner, der immer winkt, wenn man an dem Baumarkt vorbeifährt, eigentlich gelbe Gummistiefel trägt und keine grünen. Irgendwann verlernen die meisten Menschen, die Welt als so lückenhaft zu sehen. Irgendwann fällt den Meisten noch nicht einmal auf, dass der Gärtner winkt, geschweigen denn, dass er Gummistiefel trägt. Und selbst wenn sie es sehen würden, wäre es den meisten Menschen egal. Doch nicht den von mir beschriebenen. Sie werden dieses Denken immer mit sich tragen.
Normal denkende Personen werden sich an dieser Stelle fragen, wieso man sich selbst das Leben so schwer macht. Doch es ist keine bewusste Entscheidung die man trifft; es ist eine Art zu denken, mehr noch, eine Art zu leben. Und auch wenn sich die Menschen oft weinend fragen, warum sie sich selbst so bemühen, gibt es die anderen Momente. Die Momente, in denen die Sonne noch etwas strahlender scheint, die Musik noch etwas länger hallt und die Liebe süsser schmeckt. Doch das Gute ist, dass die anderen Menschen dies niemals vermissen werden; denn sie würden sich die Frage nach einem intensiveren Leben niemals stellen.

21.02.2015
www.mueller-digitalmedien.de
© 2010-2016 myZitate.de | Auf myZitate werben | myZitate unterstützen? | Rechteinhaber? | Impressum
Noch nicht dabei? Werde Teil von myZitate und lass dich inspirieren!
Jetzt Fan werden!
Du wirst eingeloggt...