Von euphorischer Melancholie Belén Haefely

Von euphorischer Melancholie

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Ist Individualität ihren Preis wert?

Individualität. Die Farbe in uns, die uns von dem allgegenwärtigen Grau unterscheidet, uns hervorhebt. Doch sie hat einen hohen Preis. Einen Preis, den viele nicht zu bezahlen vermögen, nicht bezahlen wollen. Den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, mit dem Strom zu schwimmen, all das sind eigentlich Feinde der Fantasie und allem Unbeschreiblichen. Doch sie zu gehen ist, mit grösster Ironie, eigentlich am intelligentesten. Es ist einfach. Und der Mensch ist nun mal programmiert, einfach zu sein. Nicht aufzufallen tut nicht weh. Immer zu nicken fördert keinen Krieg. Nicht uns selbst, sondern „die Norm“ zu sein, gibt uns Bestätigung, Akzeptanz. Warum leiden wir also unnötig? Warum tun wir uns die Fehlschläge, die unsere Einzigartigkeit, unser Charakter mit sich bringt, immer wieder an? Warum uns nicht dem Grau hingeben, der Masse anschliessen, die in die entgegengesetzte Richtung geht? Sie alle sind doch glücklich, oder? Sie alle denken nicht nach, hinterfragen nicht, und kennen somit das Gefühl auch nicht, keine Antwort auf etwas zu haben. Sie lesen den Text, der ihnen zugeteilt wird, auch dort wo „(lachen)“ oder „(weinen)“ steht. Vielleicht ist das ja die richtige Art zu leben? Als ein Spiegel aller anderen.

Doch was zeigt der Spiegel? Im Endeffekt sehen all diese Leute des leichten Weges, mit der durchschnittlichen Anzahl Freunde, dem Vorstadt-Haus mit Garten, zwei Kindern und dem Hund (wenn all das einmal nicht zu ihren Träumen und Wünschen gehört hat, sondern einfach nur ein Schwinden der Kraft um Aufrechterhaltung der Eigenheiten war) im Spiegel nur grau. Und ich denke es wird der Tag kommen, an dem wir alle in diesen Spiegel sehen. Der Tag, an dem wir unser Leben noch einmal an uns vorbeiziehen sehen. Und viele, sehr viele (unter ihnen auch diejenigen, die den Wandel noch nicht einmal bemerkt haben) werden dann weinen. Ohne das Wort „(weinen)“ zu lesen. Denn sie werden sehen, dass es nicht ihr Spiegelbild ist, in das sie sehen. Nicht das, das sie einmal hatten, als sie noch draussen mit dem Teleskop gestanden sind, und sich alle möglichen Sternformationen dokumentiert haben, einfach, weil es ihnen Spass gemacht hat. Nicht dieselben Leute, die sich jeden Dienstag um drei einen Schwarztee gemacht und sich dabei alte Tierdokumentationen angesehen haben. Sie werden dasselbe sehen wie viele, sehr viele andere auch.

Und hier ist der Unterschied. Hier zahlt sich das lebenslange Kämpfen aus. Denn all die Leute, die ihre Träume verfolgt, ihre Eigenschaften (seien es nun gute oder schlechte, solche die das Leben einfacher oder schwerer gemacht haben) behalten haben, werden Farbe sehen. Die Farbe, die sie damals, als sie weinend am Boden ihres Zimmers gesessen sind, und sich gefragt haben, warum um Himmels Willen sie genau so sein müssen, nicht bereit gewesen sind, aufzugeben. Sie sind sich treu geblieben. Und diese Treue wird belohnt werden. Mit wahrem… Mit purem… Mit durch und durch echtem… Und mit für immerwährendem… Glück.

03.07.2014
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