Von euphorischer Melancholie Belén Haefely

Von euphorischer Melancholie

Blog von Belén HaefelyWohnt in Rothrist (Schweiz)myZitate-Profil: SerenaRSS-Feed abonnieren

Ist die Vergangenheit jemals passé?

Aufgestanden, ohne jegliche Ahnung der bevorstehenden Tatsache, dass ich nun hier sitze und schon jetzt, kaum ist mein Blog online, einen weiteren Eintrag schreibe. Vielen Dank an dieser Stelle für die unglaublichen, mein Herz zu tiefst berührenden, meinen Mund wider des Erstaunens zu schliessen unfähigen und schlicht unfassbar (eher unverdient) schönen Worte von: Du bist Ich, einfach anders! , welche fähig waren, mich zur (mangels des Wissens über ein das Gefühl stärker ausdrückendes Wort) geschmeichelten auf und ab hüpfenden Springbewegung während des Lesens der liebenswerten und wundervoll durchgeknallten Kritik zu bewegen. Vielen Dank noch einmal.

Meist geschehen die wundervollsten Ideen und Gedanken, die einem (oder mich) zum schreiben veranlassen, sehr unerwartet. Ich sage hier bewusst „geschehen“, da Gedanken etwas sehr greifbares und komplexes sind. Das kann beginnen mit einem einfachen Vorbeiziehen eines Werbeplakates am Busfenster, auf welchem eine (und bedienen wir uns hier einmal ganz bewusst Stereotypen) kochende, die brünetten Haare zu einem Dutt zusammengebundene, eine rot-weiss karierte Schürze tragende Frau zu sehen ist, die einen ach so kecken Blick nach hinten wirft à la „Ich bin eine coole, selbstbewusste und unabhängige Mutter“ und oben die Überschrift: „Für meine Lieben tue ich viel, aber nicht alles; es darf auch mal schnell gehen: Jetzt neu (Hier bitte bekannten Fertigproduktehersteller einfügen). Also, man sieht dieses Plakat und denkt sich (als Frau hier beispielsweise): Wo um Himmels Willen findet man heute noch so eine Schürze? Und dann beginnt der Kreislauf. Denn man erinnert sich an dieser Stelle vielleicht an die Mutter eines alten Schulfreundes, die exakt dieselbe Schürze getragen hatte. Was nun aber das Faszinierende an einer Erinnerung (Gedanken) ausmacht ist, dass einem nicht nur das Bild wieder vor Augen geführt wird; es ist der Geruch, den die Wohnung, die Atmosphäre vielleicht hatte, die Art, wie man sich, während man zu besuch war und, weil das Spielen sich in die Länge gezogen hatte, zum Essen geblieben ist, über seinen Teller gebeugt hat, um noch mehr von den Kartoffeln zu nehmen und man dabei die Gabel so angeschoben hatte, dass sie mit verächtlich klirrendem Geräusch zu Boden fiel und sich ein breites „oh, haha, wie witzig die Gabel, haha, das ist witzig, jetzt bloss nichts sagen, verhalte dich normal- Gefühl“ im Raum verteilt hatte. Und auf einmal kommt man von einem nichtssagenden Werbeplakat zu einer, zwar unwichtig scheinenden, aber doch so wichtigen Situation, dass man sie nach Jahren noch immer mit sich im Gedächtnis trägt. Und deshalb frage ich mich: Kann die Vergangenheit wirklich jemals passé sein, wenn man alles was man sieht, erlebt oder aufschnappt ob nun bewusst oder unbewusst, mit einem längst erlebten Geschehnis verbindet/vergleicht? Meiner Ansicht nach, basieren alle heutigen Wege, wie wir als Person zu handeln und zu denken pflegen, auf dem früher Erlebten. Man wird sich niemals wie zuvor mit einer Person verstehen, wenn eine Vorgeschichte, sei es nun Distanz, Betrug oder unsere allbekannte Erzfreundin die Liebe, auf der Verbindung zu dieser liegt. Man kann vergeben, vielleicht sogar annähernd in den Bereich des Vergessens kommen, aber man wird niemals dieses eine Stück seiner Selbst los, dass damals unter besagten Umständen gelitten hatte. Zu sagen, dass diese Theorie eine Vermutung ist, wäre wahr. Zu sagen, sie sei eine Lüge, nicht. Denn wir alle tragen die Kerben unseres Vorlebens in uns, und wenn wir einmal die heisse Herdplatte berührt haben, prägt uns das und in Zukunft sehen wir den Herd nicht mehr so neutral wie vorhin, sondern als gefährliches und zum Schmerz-zufügen fähiges Objekt. Wer also kann hier leugnen, dass es sich mit der Liebe beispielsweise nicht genau so verhält? Jeder Abschnitt prägt uns, ob nun in die Pro oder die Kontra Richtung. Und bei jedem neunen Abschnitt, den wir beginnen, rufen wir uns all die alten ins Gedächtnis und werden ein Stück überlegter. Ich sage, sowas ist Fluch oder Segen, wenn nicht sogar eine Mischung aus beidem.

Doch das ist der Mensch; er hinterfragt, er sucht Antworten und doch ist er zufriedener, je mehr die Antwort an das als Antwort Erwartete herankommt. Wollen wir also hierbei wirklich Antworten auf die Fragen unserer Gegenwart? Oder ist es schlussendlich tatsächlich nur ein Spiegel der Antworten, die wir noch immer aus der Vergangenheit suchen? Und wenn dies so wäre: Könnten diese Fragen jemals beantwortet werden?

16.01.2014
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