Von euphorischer Melancholie Belén Haefely

Von euphorischer Melancholie

Blog von Belén HaefelyWohnt in Rothrist (Schweiz)myZitate-Profil: SerenaRSS-Feed abonnieren

Musik.

Kein Film wäre vollkommen ohne sie. Kein anderes menschliches Werk beschreibt, meiner Meinung nach, Gefühle genauer. Nichts ist so individuell und doch so gemeinschaftlich, schweisst zusammen und hilft auf eigenen Beinen zu stehen.
Musik.
Immer wieder wenn ich schreibe, schreibe ich mit Musik. Meist Filmmusik. Denn sie erzählt nicht; zumindest nicht, wenn man sie nicht darum bittet. Sie hilft zu erzählen. Zu (be)schreiben. Sie lässt atmen. Bilder entstehen, die, wenn man sie anderswo gesehen hätte, einem selbst den Atem geraubt hätten. Woran liegt es, dass so viele unterschiedliche Menschen in manchen Liedern Verbundenheit finden? Woran liegt es, dass wir uns in manchen Melodien spiegeln können und in anderen noch nicht einmal Umrisse erkennen? Im Prinzip sind es nur aneinandergereihte Klänge, Töne… Doch im richtigen Rhythmus, der richtigen Kombination, erschaffen sie etwas, dass zu Tränen rühren kann. Bis zu den ersten Menschen geht ihre Geschichte zurück. Ihre Reise hat mehr Veränderungen durchlebt, als irgendein lebendiges Wesen sonst. Und ja, ich sehe Musik gewissermassen als lebendiges Wesen; ich denke, alles was in verschiedenen Menschen verschiedene Gefühle auslösen kann, lebt gewissermassen. Kunst, Film, Literatur… Musik. Sie alle sind, obgleich ein Werk menschlicher Hand, mehr als blosses Werk. Durch unsere Erlaubnis, unser Wesen, unser Innerstes zu betreten und uns dann zu führen, wohin auch immer sie uns führen wollen, beginnen sie, zu leben. Halten Spiegel vor, schliessen Türen, erinnern uns, lassen uns vergessen. Egal in welchem Zustand sich unser Selbst befindet, das blosse Hören hat die Fähigkeit, uns zu verändern. Es kann Wandel von Trauer in Freude sein. Oder umgekehrt. Wie ein magisches Fenster, das jedem Menschen beim Hindurchsehen ein anderes Bild zu zeigen vermag. Ist das die Magie des 21. Jahrhunderts? Zu einer Zeit, in der alle Drachen tot, alle Prinzessinnen gerettet und alle Happy End's vielleicht doch schon gestorben sind und nicht noch heute leben, ist die Musik es, die uns glauben lässt? Hoffen? Ist es in Zeiten der Dunkelheit nun nicht mehr der Ritter in strahlender Rüstung, der die Menschheit rettet, sondern am Ende sie der Schlüssel aus unserer eigenen Zelle der grauen Engstirnigkeit?
Gut möglich. Denn Musik ist in meinem Leben nicht nur blosse Unterhaltung. Sie hat einen festen, unersetzbaren Platz. Im Hintergrund zwar, doch was wäre ein vollkommenes Bild, eine vollkommene Szene, ein vollkommenes Sein ohne Hintergrund? Er ist die Stütze, die Untermalung, die alles erst perfektioniert und realisiert. Musik ist und bleibt ein Rätsel, dass nie ganz gelöst werden wird. Auch heute nicht. Und allein schon das macht sie zu einem der zur Rarität gewordenen Wunder des 21. Jahrhunderts.

15.06.2014
www.mueller-digitalmedien.de
© 2010-2016 myZitate.de | Auf myZitate werben | myZitate unterstützen? | Rechteinhaber? | Impressum
Noch nicht dabei? Werde Teil von myZitate und lass dich inspirieren!
Jetzt Fan werden!
Du wirst eingeloggt...