Von euphorischer Melancholie Belén Haefely

Von euphorischer Melancholie

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Und wenn nicht?

Ich war immer der Meinung, dass es für alles einen Grund gibt. Dass jede Sache, jede Situation, die uns nach unten zerrt, uns schlussendlich zu einem Antrieb nach oben verhilft. Dass aus allem was passiert, irgendetwas gelernt, geschlussfolgert werden kann. Auch wenn man die Gründe anfangs nicht sieht, vielleicht sieht man sie in einem Jahr. Bücher, Filme, Geschichten bestätigen es, es, das ungreifbare Gute, dass uns durch alle Lebenslagen hilft und uns beschützt. Doch was ist, wenn das nur eine Erfindung ist, um unser aller Leben zu vereinfachen? Eine schlichte Ausrede, für jede Situation geeignet, am schönsten gesprochen, wenn sie nicht zum eigenen Trost verhelfen muss. Ein simpler Rettungsring: Egal wie aussichtslos die Lage sein mag, früher oder später sieht man klarer. Und wenn nicht?

Über so etwas macht man sich eigentlich nie Gedanken. Die Frage hierbei ist nur: Macht man sich nie Gedanken, weil diese nicht von Nöten sind, oder weil die Probleme einfach zu klein und deswegen gut mit dieser Ausrede signierbar sind? Vor allem wenn das eben noch so gewaltig aussehende Problem sich plötzlich in Luft auflöst und man nur noch den feinen Staub in dieser wahrnehmen kann, der einst eine so schwere Last auf dem Herzen bildete, vor allem dann ist man sich bewusst, dass eben dieses Problem einen stärker gemacht hat. Und jeder verdrängt die Alternative, jeder verdrängt die Vorstellung, wenn eben das nicht passiert wäre, wenn man sich noch Wochen, Monate, Jahre mit diesem Problem hätte befassen, den Tag mit dieser Last beginnen und mit ihr beenden müssen. Wäre man dann noch genau so überzeugt von der vermeidlichen Lehre, die man daraus gezogen hat? Hier fehlt das Drehbuch, die gute Freundin, die von dem grandiosen und glücklichen Ende des Filmes, den sie kürzlich gesehen und der ihr sehr geholfen hat, erzählt, die Kritiken, die ihn als „aufbauend und lebensbejahend“ bezeichnen; kurz, es fehlt die Sicherheit auf ein Happy End. Also woher bitte kommt die Kraft, die uns immer wieder zwingt an einen guten Ausgang zu glauben? Klar mag es Selbstschutz vor einem innerlichen Zerfetzen und schlaflosen Nächten sein, doch wenn dies wirklich der Zweck davon ist, warum überhaupt hinterfragen? Warum nicht einfach leben, egal wie der morgige Tag wird, egal ob die momentane Situation weiss oder schwarz ist. Warum uns selber die unausgesprochene Frage stellen, ob denn alles wieder gut wird?

Schlussendlich wird man es nie wissen. Denn man hört, „dass alles was passiert einen Grund hat“ unter dem Strich ja auch nur von Personen, die grosses Unglück hinter sich haben und jetzt auf dem bequemem Stuhl einer Talkshow sitzen. Doch auch in Zeiten der Dunkelheit ist für mich jetzt klar, dass „und wenn nicht?“ zwar eine deutlich unterschätze Frage ist, jedoch nur mit einer Antwort gewürdigt werden kann: „Soweit wird es nicht kommen.“ Egal wie schwarz das Momentane, egal dass wir (meiner Ansicht nach) nicht allein unseres Glückes Schmied sind; es ist diese Sicherheit, gestellte Frage mit dieser Antwort abzuschliessen, die die Sicherheit auf ein Happy End zumindest teilweise ersetzt. Denn woher kann eine so zuversichtliche Antwort kommen, wenn nicht aus dem tiefsten Spiegel unserer Selbst: unserem Glauben.

25.02.2014
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