Zauberschule Natalie Baldin

Zauberschule

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zeichnen

Der Maler möchte das Haus zeichenen. Es ist das Haus, in dem er gelebt hat, als er Kind was. Heute lebt es nirgendwo mehr, er fühlt sich überall zu Hause und hat doch keinen festen Platz.
Und so kehrt er in seine Heimat zurück. Er findet sich ohne Mühe zurecht. Das konnte er schon immer gut.
Es hatte sich aber auch nichts verändert. Seit er fort war.
Und wie er sich so vor dem Haus seiner Vergangenheit aufbaute, kam ein Herr des Weges, der ihn auf den ersten Blick zu erkennen schien. Und er sprach ihn an; bist du es? Das ist aber schon lange her! Was verschlägt dich denn in diese Gegend? Komm doch mit, meine Frau freut sich sicher dich einmal wieder zu sehen. Und der Maler, den die Freundlichkeit und das Interesse des Herren sehr faszinierten, ging mit.
Er verbrachte den ganzen Abend und auch die Nacht dort.
Am nächsten Tag verabschdete er sich früh um endlich zu malen. Doch wieder begegnete ihm ein alter Bekannter und wieder verbrachte er einen Tag und eine Nacht damit in Erinnerungen zu schwelgen. Und wieder kam er nicht dazu das Fest zu halten, von dem er glaubte, es sei die einzige Konstante in seinem Leben.
Als der Maler am Morgen des dritten Tages - es war über Nacht ein neues Jahr angebrochen- das Haus erreichte, hatten Jugendliche es mit einer Parole beschmiert. SOLDATEN SIND MÖRDER! Stand jetzt quer über die Mauern geschrieben.
Gut, dachte sich der Maler. Das muss wohl so sein. Und er machte sich an seine Arbeit. Doch er fühlte sich schlecht. Und er befürchtete, jenes schlechte Gefühl könne sich auf sein Bild übertragen. Und so unterbrach er erneut seine Arbeit und besuchte noch den ein oder anderen Menschen, den er früher wohl einmal gekannt haben mochte. So verstrich endlich eine ganze Woche bis der Maler wieder zu dem Haus kam. Dort fand er schwere Maschienen, Bagger, Laster und einen Kran mit einer Abrissbirne vor.
Ohne auf den Maler zu achten, begannen die Männer mit ihrer Arbeit. Das Haus war schon lange baufällig und eine Gefahr für die Passanten. Wirklich schön hatte es ja selbst in seinen besten Zeiten nicht ausgesehen. Und jetzt, wo niemand mehr darin wohnte und sich auch niemand mehr dafür interessierte, hatte die Stadt beschlossen, es abzureißen.

04.06.2014

klitzekleine Prinzessin

Zu einer Zeit, die sich unser Kopf nicht vorstellen kann, gab es einmal eine klitzekleine Prinzessin. Woher ich das weiß? Fragst Du? Die kann mir ja viel erzählen! Denkst Du? Sie weiß doch gar nichts von den Dingen, die ich mir nicht vorstellen kann oder die ich nicht weiß. Glaubst Du? Aber es ist ganz einfach! Ich kenne nämlich jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der wiederum eine Schwester hat, deren beste Freundin eine Zeitmaschine besitzt, mit der ich in eben genau diese Zeit vor oder zurück gereist bin, die sich nun mal keiner vorstellen kann. Glaubst Du mir das? Du musst es einfach! Schließlich ist es genau diese klitzekleine Prinzessin, die in ihrem winzig kleinen Schloss ein Portrait ihrer Ururururururururgroßmutter zu hängen hat. Und diese Ururururururururgroßmutter sieht original aus wie Du. Und das sag ich jetzt nicht einfach so, weil vielleicht Dein Geburtstag ist oder war, oder weil Weihnachten ist oder war. Sondern weil es zu einhundert -wenn nicht sogar zu zweihundert- Prozent stimmt. So wahr wie es eben Zeitmaschinen gibt und ich mit einer unterwegs war! Und was Du jetzt glaubst, ist ganz allein Deine Sache.

05.05.2014

#Haiku

Frühlingssonnenwind
Wie verliebt sie wieder sind
Alle groß und klein

22.03.2014

Komm!

Ik liebe dir
Komm und Spiel mit mir
Ich bin schon hier.
Auf die Bühne, ins Licht
Tanzen, bis sie zerbricht
Warum kommst du denn nicht?
Lässt mich hier stehn!
Ich kann dich nicht sehn!
Du darfst jetzt nicht gehn!
Das Holz, es bricht,
Unter meinem Gewicht
Es hält mich nicht,
Alles tut weh,
Als Ich versteh
dass Ich dich morgen seh
wenn Ich jetzt schlafen geh

19.03.2014

Mädchen

Warum darf ich keine Mädchen küssen?
Weil wir alle sterben müssen.
Ich muss der Welt was hinterlassen
Ich muss Kinder machen
Menschen, die sich lieben, die sich hassen
Solche, die andre ehren, oder drüber lachen
Sie sollen für mich sorgen können.
Sollen mich Mama nennen.
Diese Menschen sollen zu allem fähig sein.
Sie sollen das Leben raffen,
Später selber Menschlein schaffen
Doch ich sag Nein!
Es gibt genug Menschen auf der Welt
Denen das Spießerdasein gefällt.
Haltet mich da raus
Baut euer Einfamilienhaus
Zeiht eure Kinder groß,
Habt eure Enkel auf dem Schoß
Ich will Mädchen küssen
Ohne nachdenken zu müssen
Die Menschheit wird schon nicht untergehn
Nicht wegen mir, ihr werded's seh'n!!

27.02.2014

Es war einmal eine Motte

Das war eine ganz besondere Motte. Nämlich eine Wort-Motte. Andere Motten werden vom Licht angezogen. Aber diese liebte die Worte. Geschriebenes zog sie an, wie ein Magnet einen Eisensplitter. Eines Tages passierte ihr etwas Schreckliches. Sie war mit ihrer Freundin unterwegs, als sie spürte, wie etwas an ihr zog. Es war die magische Kraft der Worte. Ihr wurde schwarz vor Augen und alles drehte sich um sie. Sie hatte nur noch diese Worte im Kopf. Sie sah und hörte niemanden mehr. Ihre Freundin flog ihr nach und versuchte sie fest zu halten. Aber der Sog war viel stärker und so landete die Motte auf den Seiten eines Buches. Und der Lesende schlug das Buch zu. Ihre Freundin schrie und versuchte sie zu retten. Doch dann ging ein Licht an…

19.02.2014

die Leiter

Ich war schon immer langsamer als alle anderen, kleiner als alle anderen und leiser als alle anderen. Ich will nicht behaupten, dass ich aufgrund dieser Eigenschaften ein besseres Auge für all die langsameren, kleineren und leiseren Dinge auf dieser Welt habe, im Gegenteil! Es ist mir tatsächlich in meinem Leben , und auch danach, nur ein einziges Mal passiert, dass ich, eben wegen meiner Verzögerung in allem, was es so gibt, etwas sehen konnte, was wohl niemand anderes in meiner Umgebung wahr genommen hatte. Es ist irgendein Vormittag, im Herbst, ich will irgendwo hin, ich bin viel zu spät dran. Und zu meinem Übel gerate ich in einen dieser Menschenströme, aus denen sich niemand lösen kann und die einen in einem Affenzahn genau dort hinbringen, wo man nun so gar nicht hin will. Ich rekapituliere, weil ich schon Erfahrungen mit dieser Art von Massenfortbewegungen habe und versuche mich einfach treiben zu lassen. Doch auch das misslingt mir, ich stolpere über meine eigenen Füße und gehe zu Boden. Dort bleibe ich liegen und warte, bis sich die Menschenmasse über mir zerstreut hat. Tritte treffen meinen Kopf und meinen ganzen Körper, es tut weh, aber ich kann mich nicht bewegen. Und wie ich so daliege, auf dem Bauch, mit dem Gesicht nach unten, entdecke ich sie, die Spuren. Es sind Fußabdrücke von einer Person, die erst vor wenigen Sekunden hier entlang gelaufen sein musste. Diese Spuren strahlen eine so intensive Energie aus, dass ich trotz meiner Schmerzen mühelos aufstehen und ihnen folgen kann. Quer durch die ganze Stadt führen mich die unbekannten Spuren, bis zu einer Leiter, die so hoch ist, dass ich von meinem Standpunkt aus ihr oberes Ende nicht erblicken kann. Etwas zieht mich nach oben und so mache ich mich an den Aufstieg. Von oben blicke ich direkt auf den Körper eines Mädchens, das auf dem Bauch liegt, mit dem Gesicht nach unten. Von irgendwo her kommen Menschen angelaufen und ein Krankenwagen und Polizei.

29.01.2014

Jahreslosung

Ich möchte Euch ein paar Fragen stellen, die jeder für sich beantworten kann. Es ist nicht wichtig, sofort eine konkrete Antwort zu finden. Wichtig ist nur, dass Ihr die Fragen in Eurem Herzen behaltet und eine tiefgründige Antwort findet, irgendwann. Also, hier sind sie, meine Fragen an euch; Was macht Dich glücklich? Wie kann ich Gott nahe sein? Was ist Glück? Wer ist Gott? Und in welchem Verhältnis stehen Glück und Gott zueinander? Gott nahe sein, ist mein Glück. Die Jahreslosung weist uns den Weg, in den unsere Antworten gehen sollten. Oder unweigerlich gehen? Ist also all das, was mich glücklich macht nahe an Gott? Ich habe diese Fragen einigen Kindern gestellt. Ihre Antworten waren teilweise so einfach und logisch, dass mir wieder einmal klar wurde, wie viel ich einfach übersehe. Ich denke, Gott ist überall. Er ist also immer nahe. Warum bin ich dann nicht immer glücklich? Und die Kinder sagen, Gott ist überall, er ist mir immer nahe, aber die Frage ist nicht, wo Gott ist, sondern wo ich bin. Es ist meine Aufgabe Gott nahe zu sein und nicht umgekehrt. Wenn ich Gott nahe bin, bin ich glücklich. Also überlege ich, was mich glücklich macht und suche dann die Nähe zu Gott. Ich habe doch nicht Gottes Nähe gesucht, bevor ich glücklich wurde! Oder habe ich es vielleicht doch? Unbewusst? Unbewusst? Oder unter einem anderen Namen? Ist Gott vielleicht der Stift, mit dem ich das hier schreibe? War Gott gestern die Freundin, mit der ich telefoniert habe? Wer ist Gott? Und ist er böse, wenn ich ihn hinter seiner Maske nicht gleich erkenne? wenn Gott jeder ist, oder vielmehr jeder und alles sein kann, wie kommt es, dass es trotzdem Situationen gibt, in denen ich unglücklich bin? Wie kann ich das beeinflussen? Oder kann das nur Gott? Ich sehe ein, dass ich nicht immer glücklich sein kann. Dafür sind die Menschen einfach nicht gemacht. Menschen sind strebsam, sie können nicht ewig mit einer Sache zufrieden sein. Deshalb kann ich auch nicht ewig glücklich sein. Ich muss also immer wieder aufs Neue Gottes Nähe suchen; Mein Glück suchen. Ich weiß nicht ob ich eines Tages eine alles erklärende Antwort auf meine vielen Fragen finden werde. Ich weiß nicht, ob ich Gott jemals lange genug nahe sein kann um für den Rest meines Lebens glücklich zu sein. Aber ich weiß, dass Gott mir immer nahe ist. Ganz egal, ob ich glücklich bin oder nicht. Ich weiß, dass es auf meine Fragen Antworten gibt. Und wenn einer von Euch sie bereits gefunden hat, bitte ich Euch, verratet es mir nicht! Denn wüsste ich die Antwort, müsste ich mir einen neuen Lebenssinn suchen. Und ich weiß nicht, ob mich das glücklich machen würde.

16.01.2014

Der geheime Ort

Weißt Du, hier, wo wir jetzt gehen, war früher ein Wald. Ein Wald der noch viel viel
größer war, als die wirklich großen Wälder, die Du heute kennst. Der Regenwald ist
nichts dagegen!
Viele Tiere lebten in dem Wald. Sie lebten in friedlichem Einklang mit der Natur.
Doch eines Tages kamen Menschen. Und sie fingen an Krach zu machen. Sie wurden
so laut, dass keines der Tiere mehr schlafen konnte. So unerträglich wurde der Krach,
dass die Tiere krank wurden. Es war schrecklich anzusehen! Viele der Tiere starben.
Langsam, aber sicher, wurde ihnen klar, dass es so nicht weiter gehen konnte. Es
musste eine Lösung geben. Und so beschlossen sie weg zu gehen. Sie liefen also alle
an den äußersten Rand des Waldes. Und dort begannen sie zu ziehen. Ja! Sie gingen,
und nahmen ihren Wald einfach mit! Sie brachten ihn an einen sehr sehr geheimen
Ort. So geheim, dass kein Mensch ihn kennt. Nur die Tiere wissen wo er sich befindet.
Und immer wieder, wenn es einer Tierart in der Nähe der Menschen zu laut wird,
verschwindet sie. Dann gehen alle Tiere dieser Art an den Geheimen Ort. Dort ist
genug Platz für jedes Tier und niemand wird gestört.

14.01.2014

von Regenwolken und Mundwinkeln

Es war einmal ein Junge. Er war sehr traurig, denn er hatte in seinem Leben schon sehr viele traurige Dinge erlebt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass man ihm seine Eltern gestohlen hatte. Aus diesem Grund lebte er in einem Internat. Und dort wurden ihm gleich in der ersten Nacht seine beiden Beine geklaut. Er lief nun auf Holzbeinen, die der Hausmeister für ihn gebaut hatte. Dieser Junge hatte sehr viel Pech. Egal wohin er ging, es schwebte immer eine große Regenwolke über seinem Kopf und regnete. Niemand wollte bei ihm sein, weil keiner es mag nass zu werden. Er war so traurig, dass seine Mundwinkel, wie bei einem sehr alten sehr traurigen Mann, sehr weit nach unten hingen. Ja, sie waren durch das viele Nach-unten-hängen schon ganz ausgeleiert und hingen bis auf den Boden. Das war schlimm, denn oft kam es vor, dass er auf einen seiner Mundwinkel trat und ein Stück davon abriss. Das tat weh. Und so steckte er seine Mundwinkel immer in seine Hosentaschen. Er sah damit sehr albern aus aber immerhin umging er den Schmerz. Wer schon einmal auf seinen Mundwinkel getreten ist, weiß wie weh das tut. Da über dem Kopf des Jungen eben diese Regenwolke waberte und er niemandem vertraute, weil er Angst hatte, erneut beklaut zu werden, war der Junge sehr einsam. Jeden Abend schloss er sich in sein Zimmer ein und weinte mit der Regenwolke um die Wette. Aber es gab eine Sache, die der Junge sehr gerne tat. Er liebte es Geschichten zu erzählen. Wenn er erzählte, wanderten seine Mundwinkel aus seinen Hosentaschen in die Höhe. Sie schoben die Regenwolke einfach beiseite und durchstießen mühelos die Zimmerdecke und das Hausdach. Sie wanderten bis in den Himmel, wo sie über der Wolkendecke von Engeln geküsst wurden. Einmal, als der Junge wieder seine Geschichten erzählte und die Engel seine Mundwinkel küssten, kamen die anderen Jungen von den Nachbarzimmern herein, weil sie gehört hatten, wie der Junge sprach. Sie erfreuten sich an seinen Worten und versammelten sich um ihn herum und hörten zu. Der Junge, der spürte, dass er nicht länger allein war, erzählte eine unendliche Geschichte. Er wollte nie wieder aufhören zu reden, weil er Angst hatte, die anderen würden wieder verschwinden, wenn er ein Ende fand. Es wurde Tag und Nacht, Tag und wieder Nacht. Er vergaß zu essen und zu trinken. Sogar das Atmen vergaß er in seinem Rausch. Die Engel merkten, dass der Junge bald seine gesamte Kraft aufgebraucht haben würde. Seine Mundwinkel waren ganz blau und brüchig. Und so begannen sie an ihnen zu ziehen. Sie zogen den Jungen mühelos durch die Zimmerdecke und das Hausdach und bis in den Himmel, wo sie ihn auf die Wolkendecke setzten. Hier spürte der Junge den Verlust seiner Beine gar nicht. Denn er hatte ja Flügel. Und er bekam auch seine Eltern zurück.

03.01.2014

die Frau am See

Es gibt diese Tage, an denen man einfach mal allein sein muss. Nur Du, ein gutes Buch und eventuell eine Zigarette. Genau so ein Tag war das. Ich, allein, ein gutes Buch und die eine oder andere Zigarette. Am See. In eine Decke gewickelt, denn es war kalt. Keine Sonne zu sehen. Wenn man sich an einem solchen Tag in den Arsch tritt und nicht zu hause bleibt, wie man es vielleicht am liebsten getan hätte, sondern an einen Ort geht, an dem Wunder geschehen könnten, -dies kann jeder beliebige Ort sein- dann kann man durchaus etwas ähnliches erleben, wie es mir passiert ist. Aber mal von Anfang an;
Ich bin also am See, bin traurig, fühle mich leer, lese ein Buch über eine Person, die traurig ist und sich leer fühlt, -Die beste Vorraussetzung für einen gelungenen Abend- als da eine Frau über die Wiese gelaufen kommt. Entweder nimmt sie mich nicht wahr oder sie hat einfach beschlossen mich nicht zu beachten, jedenfalls läuft sie einfach an mir vorbei, zieht ihre Sachen aus und geht gradewegs in den See. Ohne auch nur einen Laut von sich zu geben, taucht sie einfach ab. Sie hat ganz weiße Haut und eine Glatze, irgendwie sieht sie krank aus… Da sie nicht wieder auftaucht, verliere ich das Interesse und lese weiter. Irgendwann tauche ich erneut aus meinem Buch auf und schaue mich um. Keine Frau im See, zumindest nicht an der Oberfläche. -Dazu musst Du wissen, dass ich von meinem Platz aus alles sehr gut überblicken kann- Ihre Kleidung liegt auch noch an der selben Stelle. Nur ein einzelner Schwan treibt auf dem See. Die Wolkendecke bricht auf und der Himmel dahinter ist rot von der untergehenden Sonne.

01.01.2014

Das Bücherregal

Wer denkt, ein Bücherregal wäre ein Ort, an dem man seine Bücher aufbewahren kann, und an dem sonst nichts spannenderes zu finden wäre, als vielleicht mal eine Wollmaus oder andere fantasievolle Staubfiguren, der irrt sich gewaltig!
Bücherregale sind viel mehr als das! Jedes hat seine Bewohner, die es pflegen. Und am Abend, wenn Du schläfst, kommen sie hervor. Es sind die Romanfiguren, sie wohnen in den dicken Wälzern oder dünnen Leseheften, die in Deinem Regal stehen. Sie kriechen aus ihren Büchern und recken und strecken sich, dann setzten sie sich - mit dem Rücken an ihr Buch und die Beine über die vordere Kante der Regalbrettes gehängt- nebeneinander und erzählen sich von all den wunderbaren Abenteuern, die sie in ihren Geschichten erleben. Abend für Abend. So schön ist das…
Doch wehe, wenn Du die Bücher genau auf die Kante stellst!! Dann haben die kleinen Kerle nämlich nicht mehr genug Platz. Sie bleiben in ihren Büchern sitzen und sind schlecht gelaunt. Und es gibt, das schwöre ich bei allen zehn Fingern an meinen Händen, nichts schlimmeres als schlecht gelaunte Romanfiguren! Wenn nichts erzählt wird und keiner da ist, der zuhört, regiert die Einsamkeit. Und dann, es passiert nur ganz langsam, verfällt der Zauber, der so ein Bücherregal umgibt. Und ohne Zauber, sterben die Bücher. Und dann will sie niemand mehr lesen…

29.12.2013

Drachen!!

Ich weiß es noch, als wäre es heute gewesen. Alles zwischen dem Damals und dem Jetzt ist verschwommen. Ich lebe nur noch für dieses eine Ereignis. Oder mit eben diesem Ereignis. Ich wünsche mir jene Zeit zurück als ich vier Jahre alt war und zum ersten Mal den Gedanken hatte, das Leben hätte einen Sinn und ich sei wunschlos glücklich.
Damals ging der Sommer gerade zu Ende und es kündigte sich ein, im wahrsten Sinne des Wortes, goldener Herbst an. Ich war bei meinem Onkel, der nicht viel älter war als ich, aber mir schon unheimlich groß vorkam. Wir ließen einen Drachen steigen. Es war der größte Drachen, den ich jeh gesehen habe. Mit buntem Segeltuch und Luftkammern. So dass er eine ungeheure Kraft entwickeln konnte, wenn er vom Wind gepackt wurde.
Meine Aufgabe war es, in fest zu halten, während mein Onkel mit den Schnüren los lief.
Ein besonders heftiger Windstoß hob den Drachen in die Luft und mich, klein und leicht wie ich war, gleich mit. Ich flog! Ich sah die Erde unter mir. Mein Onkel, wie er erschrocken und unsicher zu mir hinauf sah und krampfhaft versuchte sie Schnüre fest in der Hand zu behalten.
Wenn ich heute, manchmal etwas nüchtern auf dieses Ereignis zurück blicke, weiß ich, dass ich keine zwei Meter über dem Erdboden gewesen sein konnte. Aber damals, als ich an diesem Drachen hing, war ich mir sicher; nur noch ein kleines Stück und ich könnte die Sonne berühren. Ich war verzaubert von diesem Augenblick.
Selbst als ich dann sehr unsanft landete, der Drachen ohne mich wieder in die Höhe flog und sich in einer Stromleitung verfing, selbst als mein kleiner Onkel zuckend und mit einem abwesenden Gesichtsausdruck am Boden lag, selbst als der Krankenwagen ihn in die Klinik fuhr, selbst als meine Mutter mir unter Tränen mitteilte, dass er es nicht überlebt hatte, war in mir nur das unbeschreibliche Gefühl der Freiheit, des Fliegens.
Und das hält bis heute an.

27.12.2013

Wortbauer

Vor wirklich sehr langer Zeit, lebte einmal ein Mann in unserem Dorf. Das war zu einer Zeit, in der die ganze Welt noch in tiefes Schweigen gehüllt war. Damals war die Sprache nämlich noch nicht erfunden und jeder Mensch war allein mit seinen Gedanken.
Der Mann, von dem ich erzählen will, war so einsam, dass es ihm eines Tages zu viel wurde. Er grub also ein Loch in seinen Garten und legte dort einen seiner vielen Gedanken hinein.
Und dann, nach sieben Tagen und sieben Nächten, keimte endlich eine kleine, grüne Pflanze im Garten des Mannes. Sie wuchs und wuchs, bis sie ein Baum geworden war. Dieser Baum blühte ein ganzes Jahr, bis eines Tages silbrig glänzende Früchte an seinen Ästen wuchsen. Der Mann, der noch immer so sehr einsam war, pflückte nun eine dieser Früchte und biss hinein. Da geschah etwas sonderbares, die Zunge des Mannes begann sich zu lockern, seine Stimmbänder vibrierten und seine Lippen formten den so vollkommenen Satz; Es war einmal…
Die unbeschreibliche Schönheit des Satzes erfüllte sein Herz und der Mann, der sich nun gar nicht mehr einsam fühlte, lief los um den Menschen in der Welt Geschichten zu erzählen. Und diese vielen Menschen, die ja bis vor kurzem noch genauso einsam gewesen waren, wie der Mann, gaben seine Geschichten weiter an ihre Kinder und Kindeskinder.
Die Menschen waren diesem einen Mann so dankbar, dass sie ihm am Ende das größte und seltenste Geschenk überreichten, welches es auf der Welt überhaupt gibt. Sie schenkten ihm die Unsterblichkeit.
Und so kommt es, dass noch heute ein uralter Mann in unserem Dorf lebt, den wir Kinder nur "den Märchenerzähler" nennen. Jedes Jahr, um die Weihnachtszeit herum sitzen wir Dorfkinder am Kamin des Alten und lauschen seinen vielen Geschichten. Und jedes von uns spürt, dass der Mann die Welt, mit jeder Geschichte, ein Stückchen besser macht.

22.12.2013

Glücklich

Man glaubt, wenn man immer weiter geradeaus geht, kommt man irgendwann an den Punkt zurück, von dem man gestartet ist.
Weil die Welt ja eine Kugel ist; keinen Anfang und kein Ende hat.
Also läuft man immer geradeaus, man ist blind für alles, was links und rechts von einem liegt. Man darf nicht vom Weg abkommen, weil man ja ein Ziel hat.
Und je weiter man sich von seinem Startpunkt entfernt, desto intensiver glaubt man, dass man dort glücklich war. Und weil man wieder glücklich sein will, geht man geradeaus. Um eines Tages wieder dort anzukommen. Dabei spielen die Dinge rechts und links keine Rolle. Sie lenken nur vom eigentlichen Ziel ab.

21.12.2013

Über'n Berg

Wie lange dauert das? Bis man über'n Berg ist, mein ich.
Als wir im Krankenhaus waren, nach der Geburt, war das, da haben sie gesagt; sie würde ihn da behalten, bis er über'n Berg ist.
Tatsächlich konnten wir irgendwann nach hause gehen. Aber wer kann mir denn sicher sagen, dass er da wirklich über'n Berg war?! Ich hab es damals einfach geglaubt! Weil ich es glauben wollte, weil ich glauben wollte, dass jetzt alles gut wird.

Und heute? Ich stehe auf, um sieben, wie immer. Ich will ihn wecken, meinen Sohn, wie immer. Er liegt in seinem Bett, wie immer. Wo soll er sonst auch hin? Er kann sich ja nicht bewegen. Es ist so still, zu still...nicht wie immer.

Ich stehe, wir stehen.
Viele bunte Luftballons, die hab ich mir gewünscht!
In jedem guten Roman würde jetzt stehen; 'Und in ihrem Kopf war nichts, es war alles leer. Als hätte er alles, was sie ausmachte mit sich genommen.' Aber in meinem Kopf ist es nicht leer, immer und immer wieder geht mir eine Zeile durch den Sinn. 'Sie lassen den Sarg in Blumen hinab. Mit Blumen schließen sie das Grab...'
Von wegen über'n Berg! Nix da! Wenn er über'n Berg gewesen wäre, stünde ich nicht hier und alles wäre gut. Ich wäre glücklich...oder? 'Sie lassen den Sarg in Blumen hinab. Mit Blumen schließen sie das Grab...'
Immer immer wieder.

21.12.2013

Die Tage

Die Tage
Die Tage an denen ich schreibe,
sind mir die Liebsten
An denen ich
einfach
mein Gefühl für Zeit
ausschalte und
eine andere Welt betrete
Dabei muss ich aufpassen,
dass ich
keine all zu schöne
Welt
erschaffe.
Sonst gehe ich dort
womöglich noch verloren
Die Tage an denen ich schreiben darf,
sind mir die Liebsten.
An denen man nur merkt,
dass Zeit vergangen ist,
weil mandas Gefühl
hat,
ständig aufs Klo
zu müssen
Dabei
liegen dazwischen
immer so ein zwei Stunden
Die Tage, an denen man mich schreiben lässt,
sind mir die Liebsten
An denen einem jeder Mensch
wie ein lang verlorener Freund vorkommt
Man kommt aus einem fernen Land
ja, einem fremden Planeten
zurück
und hat sich doch ein Stück bewegt
Die Tage, an denen ich schreiben will
kommen viel zu häufig vor,
als dass
ich ihnen nachgeben
könnte, dürfte, würde, sollte

19.12.2013

Über mich

Schreiben bedeutet zaubern.
von Welten erzählen, in denen alles möglich ist. sei es die unsere oder eine fremde. wir wissen weder von der Einen noch von der Anderen genug um dieses oder jenes als Unsinn ab zu tun.
Wer kann mehr als andere?
Wer sieht das, was du nicht siehst? Mach die Augen auf und zaubere!

14.12.2013
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