Zauberschule Natalie Baldin

Zauberschule

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zeichnen

Der Maler möchte das Haus zeichenen. Es ist das Haus, in dem er gelebt hat, als er Kind was. Heute lebt es nirgendwo mehr, er fühlt sich überall zu Hause und hat doch keinen festen Platz.
Und so kehrt er in seine Heimat zurück. Er findet sich ohne Mühe zurecht. Das konnte er schon immer gut.
Es hatte sich aber auch nichts verändert. Seit er fort war.
Und wie er sich so vor dem Haus seiner Vergangenheit aufbaute, kam ein Herr des Weges, der ihn auf den ersten Blick zu erkennen schien. Und er sprach ihn an; bist du es? Das ist aber schon lange her! Was verschlägt dich denn in diese Gegend? Komm doch mit, meine Frau freut sich sicher dich einmal wieder zu sehen. Und der Maler, den die Freundlichkeit und das Interesse des Herren sehr faszinierten, ging mit.
Er verbrachte den ganzen Abend und auch die Nacht dort.
Am nächsten Tag verabschdete er sich früh um endlich zu malen. Doch wieder begegnete ihm ein alter Bekannter und wieder verbrachte er einen Tag und eine Nacht damit in Erinnerungen zu schwelgen. Und wieder kam er nicht dazu das Fest zu halten, von dem er glaubte, es sei die einzige Konstante in seinem Leben.
Als der Maler am Morgen des dritten Tages - es war über Nacht ein neues Jahr angebrochen- das Haus erreichte, hatten Jugendliche es mit einer Parole beschmiert. SOLDATEN SIND MÖRDER! Stand jetzt quer über die Mauern geschrieben.
Gut, dachte sich der Maler. Das muss wohl so sein. Und er machte sich an seine Arbeit. Doch er fühlte sich schlecht. Und er befürchtete, jenes schlechte Gefühl könne sich auf sein Bild übertragen. Und so unterbrach er erneut seine Arbeit und besuchte noch den ein oder anderen Menschen, den er früher wohl einmal gekannt haben mochte. So verstrich endlich eine ganze Woche bis der Maler wieder zu dem Haus kam. Dort fand er schwere Maschienen, Bagger, Laster und einen Kran mit einer Abrissbirne vor.
Ohne auf den Maler zu achten, begannen die Männer mit ihrer Arbeit. Das Haus war schon lange baufällig und eine Gefahr für die Passanten. Wirklich schön hatte es ja selbst in seinen besten Zeiten nicht ausgesehen. Und jetzt, wo niemand mehr darin wohnte und sich auch niemand mehr dafür interessierte, hatte die Stadt beschlossen, es abzureißen.

04.06.2014
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