Von euphorischer Melancholie Belén Haefely

Von euphorischer Melancholie

Blog von Belén HaefelyWohnt in Rothrist (Schweiz)myZitate-Profil: SerenaRSS-Feed abonnieren

Sprechendes Schweigen

Wir unterschätzen unsere Gaben. Jeden Tag. Doch ich denke eine der am meisten von Gewohnheit zerfressenen ist die Gabe zu kommunizieren. Sei dies nun schriftlich, mündlich oder mit Zeichen. Man bedenke doch, dass viele unserer „Probleme“ von etwas falsch gesagtem herrühren, einem Versuch etwas zum Ausdruck zu bringen, dass uns, auch nach jahrelanger Übung, doch wieder nicht gelingt und schlussendlich nicht zu der erhofften Reaktion führt, sondern die ruhebringende Klarheit nur weiter in die Ferne rücken lässt. Jedoch kann auch genau dieser vermeidlich falsch formulierte Satz bei einer anderen Person zu eben dieser Reaktion führen. Suchen wir also schlussendlich nach Worten, die eine bestimmte Person zu verstehen vermag, oder suchen wir nach einer bestimmten Person, die die unseren versteht?

Wie vielen Menschen ist es wohl vergönnt, in Grenzsituationen angesichts der vielen möglichen Worte genau die passenden zu finden, sie in der richtigen Form, Stellung und im richtigen Kontext zum Ausdruck zu bringen, so dass jemand, der uns hört, unser Denken nachvollziehen kann. Nahezu jeder Gefühlsausdruck rührt irgendwo von Sprache; Wut, Enttäuschung, Glück, Witz, Hoffnung… Manche Menschen nehmen diese Gefühle von gesungenen, manche von gesprochenen und manche auch von geschriebenen Worten. Doch schlussendlich hofft man in irgendeiner Sprache in irgendeiner Form Bestätigung für ein bestimmtes Verhalten zu finden. Wir suchen eigentlich in den Worten anderer unsere Gedanken. Entweder ist das Wahnsinn oder Notwendigkeit. So oder so bilden sie das unsichtbare Band, das zwei Menschen zusammenhält.

Wer jetzt aber denkt, ich hätte meinen Standpunkt klargemacht, dem muss ich erst noch von den, meiner Ansicht nach, wertvollsten Worten erzählen; den unausgesprochenen, unsichtbaren oder auch ungeschriebenen. Sie nämlich, und nur sie, haben die Fähigkeit Situationen zu bilden, die danach mit Worten kaum beschrieben werden können; einen verregneten Sonntagnachmittag, der mit aller Kraft versucht einen zu deprimieren, während man aufräumt, dabei Musik hört, aus dem Fenster sieht und glücklich ist. Die leichte Neigung des Kopfes, wenn man eine Person nur ansehen muss und erst nach einigen Minuten bemerkt, wie sehr man eigentlich lächelt. Das Verlieren in einer Geschichte, die sich so nahe und lebendig in einem selbst bewegt, dass man noch Stunden später darüber nachdenken muss. Weinen ohne einen wirklichen Grund dafür zu haben. Lachen ohne einen wirklichen Grund dafür zu haben. Das Gefühl nicht allein zu sein, egal wo man sich befindet. Diese und noch so viele andere Situationen sind der Grund, weshalb es zwar eine grosse Tat ist, zu sprechen wo Stille herrscht, es jedoch eine genau so grosse Tat sein kann, obwohl man die Fähigkeit des Sprechens hat, zu schweigen. Dieses in Bändern sprechende Schweigen ist es Wert, jedem Menschen bekannt zu sein. Und das nächste Mal, wenn man des Sprechens, aus welchem Grund auch immer, nicht bemächtigt sein sollte, kann man auch einfach mal versuchen, das Schweigen erzählen zu lassen.

11.04.2014
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